BigBrotherAwards: Schäuble, der 11. September und der 12. Oktober

Wolfgang Schäuble hat bei denBigBrotherawrds 2009 den Preis für sein Lebenswerk und den Publikumspreis bekommen. In der Laudatio geht Dr. Rolf Gössner auf das Attentat gegen Schäuble ein:

Viele Menschen stellen sich die Frage, ob der auffällige Sicherheitsfanatismus des Herrn Schäuble und seine zwanghafte Angst vor einem Kontrollverlust möglicherweise mit dem Attentat zu tun haben könnten, das er 1990 schwer verletzt und mit tragischen Langzeitfolgen überlebte. Die durchaus interessante Frage, ob er nicht nur an den körperlichen Folgen leidet, sondern auch an einer traumatisierten Psyche, die seine Wahrnehmung trübt, ist Thema vieler Diskussionen. Zwar ist bekannt, dass sich eine Posttraumatische Belastungsstörung auf die Fähigkeit auswirken kann, Gefahrensituationen richtig einzuschätzen und angemessen auf sie zu reagieren. Dennoch halten wir eine Psychologisierung der Sicherheitspolitik des Preisträgers für eher problematisch und spekulativ.

Ob traumatisierte Psyche oder nicht – über seinem Leben liegt eine tiefe Tragik. Gerade weil er zu den klügsten politischen Köpfen gehört, äußert sich seine Verbitterung, seine persönliche Betroffenheit nicht plump, sondern subtil und ausdauernd. So gesehen hätte das Vorbeben des 12. Oktober 1990 mit seinen seismischen Langzeitwirkungen den Erdrutsch der Freiheitsrechte nach dem 11. September 2001 begünstigt.

Ich stelle immer wieder fest, dass auch und gerade Politiker persönliche Betroffenheiten thematisieren. Kompetenz durch Betroffenheit? Authentizität durch Betroffenheit? Wer keinen Kredit erhält, interessiert sich plötzlich für Scoring und die SCHUFA. Wer eine Rechnung von den Schmidtleins bekommt, surft sorgfältiger und fordert mehr Transparenz. Wer permanent am Telefon beschwatzt wird, engagiert sich gegen Cold Calls und Rufnummernunterdrückung. Wer nach einem Gesetzesvorstoss gegen unlauteren Adresshandel und ungewollte Werbepost plötzlich übervolle Briefkästen mit Lobbyistenschreiben in seinem Wahlkreisbüro bemerkt, der sollte eigentlich konsequent bleiben – nein, das ist ein schlechtes Beispiel.

Wer von hinten mit dem Revolver angeschossen und schwer getroffen wird, der verdient höchsten Respekt für seine Rückkehr, aber der bleibt nicht nur gezeichnet, sondern auch befangen. Warum muss es ausgerechnet die innere Sicherheit sein, Herr Schäuble?

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Eingeordnet unter Datenschutz und innere Sicherheit, Datenschutzpolitik

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