Stecknadel im Datenhaufen: SAP hilft Nachrichtendiensten

Nachdem der BigBrotherAward 2009 in der Kategorie Wirtschaft an deutsche Firmen vergeben wurde , die Überwachungstechnik für Internet und Telefon anbieten (dazu kurz hier in diesem Blog), bringt telepolis das Thema für mich erneut auf den Schirm und berichtet über ICM, eine Ermittlungssoftware von SAP, mit der „Informationsquellen aller Art“ für „Ermittlungsbehörden aller Art“ nutzbar gemacht werden können. SAP: „Wir haben bereits ausländische Nachrichtendienste als Kunden“.

Aus dem Interview mit  Stephan Heinrich, Politikwissenschaftler und Autor von „Innere Sicherheit und neue Informations- und Kommunikationstechnologien“  ein paar Zitate (Quelle):

  • Je mehr Heu du hast, desto schwerer ist es, die Nadel zu finden!“ James Carafano
  • Stephan Heinrich: „ Einerseits bekommen wir immer Daten, andererseits bekommen wir auch immer bessere Werkzeuge, um mit der Datenflut umzugehen. Dieses Wettrennen ist meines Erachtens derzeit noch unentschieden.
  • Stephan Heinrich: „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die gezielte Auswertung des Datenbergs die große Herausforderung ist, nicht die Schaffung des Datenbergs. Natürlich kann man jede Information speichern, weil sie irgendwann später einmal wichtig sein könnte. Aber das nutzt wenig, weil man mit noch so großen Datenmengen das Kriminalitätsverhalten – zumindest derzeit – nicht vorhersehen kann. „
  • Frage: „… Kommt es zu einer permanenten digitalen Schleierfahndung, bei der alle Bürger untersucht werden, ob sie sich nun verdächtig gemacht haben oder nicht?“  Stephan Heinrich: Das glaube ich nicht, schon weil die Polizei personell dazu gar nicht in der Lage ist. Ihre Ressourcen sind beschränkt, und die Beamten fragen sich natürlich, ob sich der technische Aufwand bei dem jeweiligen Tatbestand lohnt. Theoretisch könnte die Polizei natürlich sagen: „Wir lassen das System jeden Morgen einmal durchlaufen und schauen, was es uns Interessantes ausspuckt!“ Aber praktisch käme sie gar nicht damit hinterher, all diese neuen Ansätze zu prüfen.“

Neidvoll dürfte manches werbetreibende Unternehmen auf diese Datenbankfülle blicken. Da bin ich doch ganz froh, das uns (Unternehmen, Vereine, Parteien) das Bundesdatenschutzgesetzes auf die Grundsätze von Datensparsamkeit, Erforderlichkeit und Zweckbindung festnagelt. Im Zeitalter der allgegenwärtigen Informationsverarbeitung (Ich kann mir den Begriff  „Ubiquitous Computing“ einfach nicht merken) fragt sich, wie lange das noch durchhaltbar ist, siehe u.a. TAUCIS-Studie oder FES-Gutachten.  Aber das ist eine andere Geschichte.

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Eingeordnet unter Datenschutz im Unternehmen, Datenschutz und innere Sicherheit

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