Marketing und Datenschutz: Eine Hassliebe

Manchmal treffen zufällig zwei Ereignisse aufeinander und beleuchten dadurch ein bekanntes Thema in einem neuen Licht. Ich habe in den letzten Tagen Anlass gehabt, über das Verhältnis von Marketing und Datenschutz nachzudenken.

Marketing entdeckt Datenschutz

Vor einer Woche überraschten mich die Ergebnisse einer lesenswerten Studie von Client Vela und TU München. Siehe dazu hier im Blog:

Auf die Frage „Wie beeinflussen die folgenden Faktoren Ihre Absicht, bei einem Unternehmen erneut zu kaufen und/oder dieses weiterzuempfehlen?“ erhielt der Punkt „Datenschutz“ insgesamt die drittbeste Bewertung, wurde aber von 43%  als „sehr starker“ Faktor genannt – Spitzenwert!

Datenschutz rangierte damit hinter dem Preis und der Mitarbeiterkompetenz, aber vor Serviceleistungen, den Kernleistungen des Produktes und sieben weiteren Faktoren.

Langfristige Kundenbindung funktioniert nicht ohne den respektvollen Umgang mit der Person des Vertragspartners. Im Ladengeschäft wird die Person des Kunden auch, im Online-Geschäft nur durch ihre Daten verkörpert. Diese Botschaft ist in der Bevölkerung offensichtlich schneller angekommen als in vielen Handelsunternehmen. Kluge Unternehmer haben die Chance, dass steigende Interesse am Datenschutz zu nutzen und dabei schneller als die Konkurrenz zu sein.

Marketing als größte Gefahr für den Datenschutz

Auf der anderen Seite der Medaille verblüffte mich IT-Guru Bruce Schneier  in einem Interview für eine Kolumne auf cnet.com. Auf die Frage, woher die größte Gefahr für unsere Privatsphäre droht, antwortete er nicht etwa mit „Sicherheitsbehörden“ oder „Unterwelt“, sondern:

Marketing. The legal collection, storage, resale, and reuse of personal information. Information brokers are doing more to hurt consumer privacy than anything criminals or the government can do. And, even worse, the government can buy information from them, and criminals can break into their databases.

Marketingleute horten die Informationen, die dann von Regierungen gekauft oder von Kriminellen gestohlen werden können. Passenderweise verlor kurz danach der Britische Guardian durch einen Einbruch etwa eine halbe Million Datensätze von Online-Bewerbern inklusive Lebenslauf.

„Ich brauche Dich, aber ich kann gefährlich für Dich werden!“, das klingt nach einer Schnulze mit Krimi-Potential. Hat die Beziehung eine Zukunft?

Wie können Marketing und Datenschutz miteinander leben?

Es gab in den vergangenen Tagen noch mehr Neuigkeiten u nd bekanntlich sind ja aller guten Dinge drei. Aber wer hätte das gedacht: Ausgerechnet im aktuellen Koalitionsvertrag finden sich Ansatzpunkte für ein Happy End zwischen Marketing und Datenschutz. Das Zauberwort heißt „Datensparsamkeit“ und wird für eGovernment-Projekte ebenso beschworen wie für den privaten Bereich. Daneben halte ich die Transparenz durch klare, faire Einwilligungen für den richtigen Weg und bin damit auf einer Spur mit der Bundesregierung:

Die Einwilligung ist eine wesentliche Säule des informationellen Selbstbestimmungsrechts. Ziel der Reform muss daher auch sein, verbesserte Rahmenbedingungen für informierte und freie Einwilligungen zu schaffen. Dazu sollen Informationspflichten erweitert und der Freiwilligkeit der Einwilligung größere Bedeutung beigemessen werden.

Natürlich besteht die Gefahr der Gewöhnung: Allzuleicht unterschreiben wir im Angesicht des greifbaren Sonderangebotes alles Mögliche, auch weitreichende Einwilligungen (Glauben Sie nicht? Dann werfen Sie mal einen genauen Blick auf die Einwilligung bei der ebay-Anmeldung, die Sie vermutlich so wie ich nur flüchtig überflogen haben). Dennoch gibt es aus meiner Sicht keine Alternative zu einer Einwilligungskultur. Wenn beide Seiten, Kunden und Unternehmer, dazulernen und darauf eingehen, kann ein fairer Interessensaugleich gelingen.

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Eingeordnet unter Datenschutz im Alltag, Datenschutz im Unternehmen, Datenschutzpolitik, Online-Shop

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