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Teures Sicherheitsgefühl: 1000 Videokameras klären 1 Straftat auf

Auf der it-sa habe ich nicht nur klugen Vorträgen gelauscht und nette Menschen kennengelernt, sondern auch einen Packen Zeitschriften aus Fachbereichen am Tellerrand meines Beraterhorizonts eingesackt. In der WiK (Zeitschrift für die Sicherheit der Wirtschaft) Nr.5, Oktober 2009 las ich Erstaunliches:

Mehr als eine Million Kameras sind in Großbritannien installiert – doch pro 1.000 Kameras wird nur eine Straftat aufgeklärt, […] Dazu kommentiert David Davis MP, ehemaliger Schatteninnenminister: „Es wird Zeit darüber nachzudenken, wofür das Budget für Kriminalitätsprävention ausgegeben wird. CCTV führt zu massiven Ausgaben mit einer minimalen Effektivität.“

Der zitierte Report nennt eine weitere Zahl:

Each case helped by the use of CCTV effectively costs £20,000 to detect, Met figures showed.

Das sind knapp 22.000 Euro. Dazu fallen mir eine Menge bissiger Kommentare ein…

Die Auftraggeber der Studie sind dennoch zufrieden, denn:

The Home Office defended the use of CCTV, with a spokesman saying cameras could „help communities feel safer“.

Gefühlte Sicherheit. Dazu fällt mir wiederum gar nichts ein.

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it-sa: Deutsche Sprache – schwere Sprache

Ich muss doch etwas Wasser in den Freudenwein der schönen deutschen Datenschutzbegriffe gießen. Neben den erwähnten hilfreichen Vokabeln gibt es auch unmögliche Wortschöpfungen:

  • Woran denken Sie bei einer „nicht automatisierten Datei“?
  • Wieso ist das hochgesicherte BKA eine „öffentliche Stelle“, eine rund um die Uhr geöffnete Tankstelle aber eine „nicht-öffentliche Stelle“?

Das Hauptproblem aber ist der unglücklich gewählte Begriff „Datenschutz“ selbst: Wo in Deutschland „Datenschutz“ draufsteht, ist nicht immer „Datenschutz“ im Sinne des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung drin.

„Datenschutz“ ist derzeit ein Modewort und verkauft sich gut. Übrigens: Was für ein Unterschied etwa zu 2006, als Datenschutz ein Synonym für Bürokratie war und das Mittelstandsentlastungsgesetz ausgerechnet die Schwellenwertanhebung für betriebliche Datenschutzbeauftragte an erste Stelle setzte…

Auf der it-sa jedenfalls haben sich 50 Aussteller selbst als Anbieter von Datenschutz (Produkte und Leistungen) eingestuft. Nach meiner Einschätzung trifft das Kriterium aber nur für 10 bis 15 Anbieter zu.
Die häufigsten „Mißverständnisse“:

  • Data Leakage Prevention wird regelmäßig als Datenschutz bezeichnet; gelegentlich auch die Malware-Abwehr allgemein (Ich erinnere an die „Datenschutz-Pakete“ bei Discountern).
  • Allgemeine Unternehmenssicherheit wird gern mit dem Titel Datenschutz geschmückt.
  • Urheberrechtsschutz kommt derzeit nicht so gut wie Datenschutz an, also wechselt man das Etikett.
  • Auch Penetrationstester, Softwareentwickler, Unternehmerverbände und Versicherungen sehen sich plötzlich „irgendwie“ als Datenschützer.

Die Fehleinschätzung beschränkte sich nicht nur auf die gewählte Selbsteinstufung, sondern pflanzte sich auf der it-sa in den Standbeschriftungen, Publikationen und Vorträgen fort.

So erfreulich die aktuelle Popularität des Begriffes „Datenschutz“ ist – die Klarheit leidet.

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it-sa: Deutsche Sprache – schöne Sprache

Ich war zwei Tage in Nürnberg und werde auch im nächsten Jahr zur it-sa fahren. Für mich als Besucher war es eine Messe der kurzen Wege mit guten Vorträgen und ergiebigen Kontakten.  Ein paar Anmerkungen zur Sprache der IT-Sicherheit muss ich loswerden:

Das Ding heißt tatsächlich „itsa“ und nicht „ei-tie-ess-ä“. Schön.

Ich hatte den Eindruck, man spricht auch sonst mehr deutsch. Ganz einfach, um auch außerhalb der IT-Welt (im Unternehmen, in den Bildungseinrichtungen, in den Medien, im Bekanntenkreis) besser verstanden zu werden. Und damit seine Arbeit, seine hehren Ziele oder seine tollen Produkte und Dienstleistungen besser – oder überhaupt – verkaufen zu können. Ein Publikumsbeitrag bei einer Podiumsdiskussion brachte es – überspitzt – auf den Punkt: „Eine Awareness-Kampagne kann einfach nicht funktionieren, weil viele (Mitarbeiter) mit dem englischen Begriff „Awareness“ nichts anfangen können.“

An diesem Punkt habe ich an meine Schulungen gedacht und mich wiederholt über die klaren deutschen Fachbegriffe zum Datenschutz gefreut:

  • Zweckbindung ist mein Lieblingswort. Viele Zuhörer haben nie zuvor davon gehört und verstehen trotzdem sofort den Sinn. Die erhobenen personenbezogenen Daten sind nicht frei verfügbar in meinem Besitz, sondern fest an den vorher festgelegten Zweck gebunden.
  • Erheben von Daten erinnert mich an das Ausgraben von Schätzen –  wie wahr!
  • Speichern ist mehr als nur „Sichern“. Hier denke ich an ein Aufhäufen im (Korn-)Speicher als sichtbaren Ausdruck des Wertes der gesammelten Daten.
  • Rechtmäßigkeit der Datenverarbeitung erklärt sich auch von selbst („dem Recht gemäß“) und hat unbewusst den netten Nebeneffekt  „recht mäßig“ im Sinne von „maßvoll“ – das führt schnell zu „sparsam“ und zur Datenvermeidung und Datensparsamkeit.
  • Zutrittskontrolle und Zugangskontrolle sind klare Begriffe und werden dennoch gern vertauscht 😉
  • Zugriffskontrolle versteht jeder, obwohl die Daten im Anwendungsprogramm nicht direkt „gegriffen“ werden können. Wobei, wenn man sich die zahlreichen Fingerabdrücke auf vielen Bildschirmen so anschaut…
  • „Verantwortliche Stelle“ halte ich für einen gelungenen Ausdruck, obwohl der Begriff wohl nur im Datenschutzrecht diese offizielle Bestimmung hat.

Klare, verständliche Begriffe machen die Vermittlung der Inhalte leichter. Leider ist die Freude nicht ungetrübt, das zeigt der nächste Artikel.

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