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Kein Interesse an „Datenschutz in der Telekommunikation“?

Gerade erst hatte Telekom-Datenschutz-Vorstand Manfred Balz seiner Branche mit deutlichen Worten den Kopf gewaschen, von „kriminogenen Strukturen im Telekomvertrieb“ gesprochen (siehe hier in diesem Blog) und ein gemeinsames Handeln aller Akteure gefordert. Blätterwald und Netzgemeinde stimmten der Einschätzung zu, bevor sich die Aufmerksamkeit SchülerVZ, der Postbank und dem Koalitionsvertrag zuwandte. Heute erreichte mich überraschend die Mitteilung, dass das – lange vor den Balz-Äußerungen angekündigte – X. Symposium zum Thema „Datenschutz in der Telekommunikation“ beim BfDI Peter Schaar am 12.11. ausfallen wird.

Ursache: Mangelnde Resonanz.

Eingeladen waren insbesondere Datenschutzbeauftragte und Verantwortliche aus dem Bereich der Telekommunikation…
Am Ort, Preis und am Programm kann es kaum gelegen haben.  Ich will den Ausfall nicht überbewerten, aber er wirft zumindest kein gutes Licht auf den Veränderungswillen der TK-Branche.

Stell Dir vor, es ist Datenschutz – und keiner geht hin.

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Telekom-Datenschutz-Vorstand: Kriminogene Strukturen im Telefonvertrieb

Deutliche Worte hat Manfred Balz gegenüber dem Spiegel gefunden:

In einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ äußerte sich Balz ungewöhnlich hart über seine Branche. Im Telefongeschäft habe sich „ein System mit kriminogenen Strukturen“ entwickelt. Beim gegenseitigen Abwerben von Kunden über Tausende unabhängige Callcenter sei ein „gefährliches Provisionskarussel“ entstanden, das zum Betrug geradezu einlade. Diesem Problem könne man nur im Verbund mit den anderen Telekommunikationsanbietern begegnen. Für das geplante Treffen nannte Balz noch keinen Termin.

Quelle: heise

Aus meinem Datenschutzalltag als Berater kann ich die besondere Situation in der Telekombranche bestätigen. Ich darf nicht ins Detail gehen, aber wer mittlerweile jahrzehntelang in einem Eldorado überdurchschnittlicher Zuwachsraten arbeitet, der tickt anders als die Verwalter in der Old Economy. Nach und nach arbeitet die Branche die Versäumnisse der wilden Jahre auf: Als Folge der Skandale im vergangenen Herbst wurden Tausende Telekom-Dienstleister an ihre vertraglichen Pflichten erinnert, nicht immer erfolgreich. Mal ist es fehlende Fachkenntnis („Wem gehören die Kundendaten?“), mal einfach nur eingeschränktes Unrechtsbewusstsein, mit dem sich (nicht nur) Telekom-Händler an „ihre“ Daten klammern und weiter Callcenter auf die Jagd nach Provisionen schicken.  Der Verbraucher muss es ausbaden – in unzähligen, einfach nur lästigen Anrufen „im Namen der Telekom“. Hierbei haben die Netzbetreiber im Kampf um Marktanteile zu lange beide Augen zugedrückt.

Vor diesem Hintergrund halte ich es für ehrenhaft, dass die Telekom endlich unlautere Vertriebspartner zur Rechenschaft zieht und jetzt das Gespräch mit den Wettbewerbern sucht. Ich hoffe, dass der Vorstoß von Manfred Balz auf offene Ohren bei seinen Kollegen trifft.

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